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Der Bandscheibenvorfall
Synonyme:
Bandscheibenprolaps, Nucleus pulposus prolaps, NPP, Diskusprolaps, Bandscheibenvorwölbung, Bandscheibenprotrusion, Hexenschuß, Lumbalgie, Lumbago, Lumboischialgie
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Kurzinformation:
Ein Bandscheibenvorfall ist eine plötzliche oder langsam zunehmende Verlagerung bzw. Austritt von Gewebe des Nucleus pulposus (Gallertkern) einer Bandscheibe in der Regel nach hinten in den Rückenmarkskanal (Spinalkanal) oder hinten-seitlich in Richtung der, den Rückenmarkskanal verlassenden Nervenwurzel. In Folge dessen kommt es durch Druck auf Nervenwurzeln in erster Linie zu Schmerzen im Rückenbereich, dem Gesäß und ausstrahlend bis in den Fuß einer Seite. Im Weiteren können Gefühlsstörungen, Mißempfindungen und Lähmungen auftreten. Bandscheibenvorfälle im Bereich der Lendenwirbelsäule (= LWS) treten wesentlich häufiger auf als Bandscheibenvorfälle im Bereich der Halswirbelsäule (= HWS). Vorfälle der Bristwirbelsäule (= BWS) sind extrem selten.
Therapeutisch kommt in der Mehrzahl der Fälle ein konservatives Vorgehen mit Ruhigstellung, Infusionstherapie, Physiotherapie, Schmerztherapeutischen Verfahren und ggf. einer Orthesenversorgung zur Anwendung. Beim Auftreten von Lähmungen, welche unter den genannten Maßnahmen nach 24-48 Stunden keine Besserung zeigen, muss die operative Entlastung der komprimierten Nervenstrukturen besprochen werden. Hierzu stehen verschiedene, auch minimal invasive (Knopflochtechnik) Verfahren, zur Verfügung.
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Beschwerdesymptomatik:
Nicht jeder Rückenschmerz hat einen Bandscheibenvorfall als Ursache. Im Gegenteil: In einer Studie von Jensen wurde nachgewiesen, dass ca. 50 % der untersuchten Probanden Bandscheibenvorwölbungen und ca. 30 % Bandscheibenvorfälle in der MRT Diagnostik aufwiesen, jedoch nur ca. 30 % der Probanden über Rückenschmerzen klagten. Generell ist die Diagnosefindung bei Rückenschmerzen häufig schwierig, da auch geringfügige Verschleißerscheinungen, welche sich der bildgebenden Diagnostik (Röntgen, CT, MRT) entziehen, durchaus erhebliche Beschwerden verursachen können. Treten allerdings im Rahmen eines Bandscheibenvorfalles Beschwerden / Symptome auf, so sind sie vor allem auf die Verlagerung des Gallertkernes zurückzuführen, der auf einzelne Nervenwurzeln, auf Nervenfaserbündel (im Bereich der Lendenwirbelsäule) und / oder das Rückenmark drückt.
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| rot: Vorfall; gelb: Rückenmark |
Nachfolgend soll auf die Symptome eingegangen werden, die durch Druck auf die oben erwähnten Bereiche ganz unterschiedlich ausfallen können.
Symptome bei Druck gegen eine Nervenwurzel:
Druck auf Nervenwurzeln löst stets intensive Schmerzen aus, die in Arme und / oder Beine hinein ausstrahlen können. Mit diesen starken Schmerzen treten gelegentlich auch Gefühlsstörungen auf (Kribbelgefühl, Taubheit). Je nach Stadium und Ausmaß der Erkrankung können Symptome auch die Minderung von Muskelkraft oder gar Lähmungen einzelner Muskelbereiche zur Folge haben.
Symptome bei Druck gegen das Rückenmark:
Je nach Lokalisation des Bandscheibenvorfalles, variieren die Symptome. Bandscheibenvorfälle im Bereich der Brustwirbelsäule können Gefühlsstörungen, Krämpfe (Spasmen) oder gar Lähmungen hervorrufen, wohingegen ein Bandscheibenvorfall im Bereich der Lendenwirbelsäule beispielsweise Blasenlähmungen auslösen kann. Auch Lähmungen der Beinmuskulatur sind möglich.
Symptome bei Druck gegen Nervenfaserbündel, den Pferdeschweif (Cauda equina):
Typischweise geht die Kontrolle über die Blasen- und Mastdarmfunktion verloren. Es kommt zu Sensibilitätsstörungen im analen und / oder genitalen Bereich, der Innenseite der Oberschenkel, unter Umständen verbunden mit einer Lähmung der Beine.
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Diagnostik:
1. Neurologische Untersuchung:
Zur Diagnose oder zum Ausschluss eines Bandscheibenvorfalls ist eine eingehende neurologische Untersuchung notwendig. Sie kann differentialdiagnostisch beispielsweise eine Durchblutungsstörung der Beine, die so genannte Schaufensterkrankheit (= Claudicatio intermittens) ausschließen.
2. Röntgen
Mittels einer Röntgenaufnahme, die mindestens in zwei Ebenen (von vorne, von der Seite) durchgeführt werden sollte, kann man die knöcherne Struktur der Wirbelsäule beurteilen.
Darüber hinaus ist es möglich, den Patienten im Rahmen einer Funktionsaufnahme zu röntgen. Diese Spezialaufnahmen, die beispielsweise in Schräglage durchgeführt werden, lassen Rückschlüsse auf die Beweglichkeit der Wirbelsäule zu.
3. Schnittbildverfahren:
Computertomographie (CT) und die Magnetresonanztomographie (MRT) stellen das Rückenmark und die Nervenwurzeln dar. Mit der Injektion von Kontrastmittel ist eine Differenzierung von Tumorstrukturen möglich.
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Therapie:
Wie oben bereits erwähnt steht therapeutisch eine konservative und operative Behandlung zur Verfügung. Welche Therapieform zum Einsatz kommen sollte, muss immer individuell entschieden werden.
In der Regel werden Patienten mit einem diagnostizierten Bandscheibenvorfall auf konservative Weise behandelt. So umgeht man jegliches Risiko einer Operation, Narkose und anschließender Narbenbildungsprobleme. Unter dieser Therapie wird der überwiegende Teil der Patienten wieder so beschwerdearm, dass eine weitere längerfristige Behandlung im ambulanten Bereich erfolgen kann.
Nähere Informationen zur konservativen Therapie finden sie hier.
Eine Ausnahme stellen höhergradige Lähmungserscheinungen der Beine/Arme sowie Blasen- oder Mastdarmfunktionsstörungen dar. Diese Erscheinungen müssen meist umgehend einer operativen Therapie zugeführt werden, um schlimmere Folgeschäden, wie z.B. eine anhaltende Harn- oder Stuhlinkontinenz, zu vermeiden.
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Operationstechnik an der Lendenwirbelsäule:
Die Operation erfolgt über einen ca. 3-4 cm großen Hautschnitt über dem betroffenen Lendenwirbelsäulenabschnitt. Durch das darunter liegende Unterhautgewebe und die Rückenmuskulatur wird die Wirbelsäule dargestellt. Auf der betroffenen Seite werden anschließend die hinteren Verbindungsbänder der Wirbelkörper durchtrennt, wodurch man den Rückenmarkskanal erreicht. Am Rückenmark vorbei kann dann der Bandscheibenvorfall ausgeräumt und der betroffenen Nerv von der Bedrängung befreit werden.
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Nachbehandlung:
Nach einigen Tagen strenger Bettruhe, um ungünstige Vernarbungen zu vermeiden, wird durch die Physiotherapeuten unseres Hauses mit einer schrittweisen Mobilisation begonnen. Am Ende des stationären Aufenthaltes kann der Patient weitestgehend allen Verrichtungen des täglichen Lebens selbst nachkommen. Das Tragen von Lasten und extreme Bewegungen sollten jedoch vermieden werden. Nach ca. 3 Monaten kann die Wiederaufnahme der Arbeitstätigkeit, soweit diese den Heilungsprozess nicht gefährdet, wieder aufgenommen werden. Sportliche Aktivitäten sind nach Rücksprache über die Art und Weise mit dem behandelnden Arzt nach einem halben Jahr wieder möglich. Eine stationäre Rehabilitation ist meist nicht notwendig.
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